Teilnehmerstimmen aus dieser Arbeitsgruppe

riechers_1447610699_280

Kersten A. Riechers

Gesellschafter / Strategie Quäntchen & Glück (Agentur für Online-Kommunikation)

Herr Riechers, warum haben Sie sich dazu entschieden, die Tagung „Journalismus auf Augenhöhe“ zu besuchen?

Riechers: Friederike Herrmann und Klaus Meier waren meine Professoren an der Hochschule in Darmstadt. Ich habe mich erstmal sehr gefreut, die Beiden wiederzusehen und dann auch noch zu einem Thema, das mich sehr interessiert.

Für meine Arbeit in der Agentur war es für mich sehr interessant, die neuen Entwicklungen im Journalismus auch von der akademischen Seite her zu betrachten. 

Bei quäntchen+glück, einer Agentur in Darmstadt, die wir damals als Studenten gegründet haben, haben wir eine Spezialisierung, das ist die Digitalisierung in Verlagen. Zu diesem Thema informieren wir uns immer sehr umfasend, was neue Entwicklungen im Journalismus sind. Das ist jetzt dieses Mal etwas akademischer, aber auch sehr interessant für uns.

Es gab insgesamt fünf Arbeitsgruppen auf dieser Tagung. Sie haben sich für Arbeitsgruppe 2 entschieden. Was hat Sie dazu bewogen? 

Riechers: Das war mein persönliches Interesse. Zum einen, weil ich mich seit meiner journalistischen Ausbildung aktuell immer mehr mit psychologischen Phänomenen beschäftige. Aber das ist eigentlich überhaupt nicht meine Fachrichtung, das habe ich auch nicht studiert. Ich glaube dennoch, dass ich heute einen Ansatz gefunden habe, dass man sagt, wir Journalisten lernen etwas über das Phänomen „Framing“. Das kommt eigentlich aus einer anderen Ecke, nämlich aus der Kommunikationswissenschaft bzw. auch aus der Psychologie und wir haben uns überlegt, „wie können wir damit im Journalismus umgehen?“ Ich glaube, die Tagung hat insofern einen Mehrwert, weil Wissenschaftler anwesend waren, die viel mehr über derartige Phänomene wissen als wir.

Der wissenschaftliche Austausch zwischen Theorie und Praxis im Verlauf der Tagung war äußerst interessant und sollte auch allgemein viel mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Extremer gesagt: Die forschen sehr viel in diesem Bereich, bleiben in den Akademien aber eher unter sich. Journalisten sind die Menschen, die aber von diesem Wissen profitieren können und das Ganze dann „auf die Straße bringen“. Durch die Tagung entsteht ein Austausch zwischen Theorie und Praxis. Das finde ich sehr interessant!

Wie würden Sie die Tagung zusammenfassen? Was konnten Sie für sich mitnehmen?

Riechers: Das Highlight für mich war das Kamingespräch zwischen Armin Wolf und Klaus Meier. Ich bin jetzt natürlich auch gespannt, was die anderen Arbeitsgruppen in ihren Thesenpapieren zusammengetragen haben.

Wenn die anwesenden Journalisten es schaffen, die gesammelten Erkenntnisse in ihre tägliche Arbeit einzubeziehen, dann ist die Tagung ein großer Erfolg gewesen. 

Die Schader-Stiftung hat an sich selbst den Anspruch, die Geisteswissenschaften mit der Praxis zusammenzubringen. Wenn die hier anwesenden Journalisten für sich persönlich nun daraus Erkenntisse für ihre Arbeit ziehen können und sagen, „das probier‘ ich mal aus“, dann ist das schon ein großer Erfolg gewesen.

Vielen Dank, Herr Riechers!


Sälinger

Torsten A. Sälinger

Kommunikationsberater und Geschäftsführer von Sälinger Kommunikation

Herr Sälinger, warum haben Sie sich dazu entschieden, die Tagung „Journalismus auf Augenhöhe“ zu besuchen?

Sälinger: Mit der Schader Stiftung ist in Darmstadt eine Einrichtung entstanden, die sich drängenden, wichtigen, beachtenswerten, aber auch wenig wahrgenommenen gesellschaftlichen Themen widmet. Das ist jetzt in dem Fall ein stark wahrgenommenes Thema. Ein Gegenstand von gesellschaftlichem Diskurs, von Streit, von Politik, Journalismus auf Augenhöhe, Lügenpresse. All diese kritischen Betrachtungen des Rollenmodells Journalist: Was hat er zu leisten, was kann er leisten, wo versagt er zwangsläufig? Was sind die (veränderten) Erwartungen in der Gesellschaft?

Was hat ein Journalist heutzutage zu leisten, wo versagt er zunehmend, was sind die veränderten gesellschaftlichen Erwartungen? All das sind hochspannende Fragestellungen, die hier diskutiert wurden.

Wie reagiert eine Gesellschaft in einer Zeit, in der diejenigen, die nicht einverstanden sind mit dem öffentlichen Diskurs, ihren Widerspruch über soziale Medien zum Ausdruck bringen? Insofern ist es ein hochspannendes Thema, über Verantwortung und Wahrnehmung zu reden. Auch über den notwendigen Umgang damit, unter Bewusstwerdung der Rahmenbedingungen.

Es gab insgesamt fünf Arbeitsgruppen auf dieser Tagung. Sie haben sich für Arbeitsgruppe 2 entschieden. Was hat Sie dazu bewogen? 

Sälinger:  Tatsächlich war es sehr schwer, sich zwischen den fünf Arbeitsgruppen entscheiden zu müssen. Eigentlich hätte ich gerne an allen fünf Gruppen gleichzeitig teilgenommen, aber es gibt ja dann die Website, dort kann man dann nachlesen, was bei den anderen AGs passiert ist. Das gleicht das Ganze dann ein bisschen aus. Zur Entscheidung hat bei mir ganz spontan der Auftritt von Impulsgeberin Frau Müller bei der einführenden Diskussion geführt. Die Dinge, die sie da über ihr journalistisches Selbstverständnis und ihre Arbeitsweise gesagt hat, fand ich so inspirierend, dass ich gesagt habe: „Ok, ich gehe in diese Gruppe!“ Ich muss sagen, Frau Müller ist in meinen Augen ganz vorne und ich würde mir wünschen, dass ihre Arbeitstechnik stilbildend wird.

Ich würde mir wünschen, dass die Arbeitstechnik von Frau Müller
stilbildend im Journalismus wird.

Aber das wird es leider nicht werden, weil einfach die Arbeitsbedingungen dem extrem entgegenstehen und Journalismus – gerade auch im Lokalen, wo er meiner Meinung nach am wichtigsten ist – auch heute nur entweder nur aus „schnell, schnell“ besteht, oder auch (worunter ich leide) an pensionierte Deutschlehrerinnen delegiert wird, die sich dieser aktuellen Fragestellungen in keiner Weise bewusst sind. Dementsprechend wird das Ganze dann auch abgebildet. Sprachlich, Kommasetzung, usw. alles korrekt, aber darüber hinaus geht es leider selten.

Wie würden Sie die Tagung zusammenfassen? Was konnten Sie für sich mitnehmen?

Sälinger: Mitnehmen kann man eigentlich immer, dass es immer eine gute Idee ist, mehr über die Dinge nachzudenken. Das heißt, über sein eigenes Denken nachzudenken und das in Frage zu stellen. Mal zu sagen, „Wie sieht eigentlich mein Bezugsrahmen aus?“, „Wie sieht meine Verortung von neu hinzukommenden Informationen aus?“, „Mache ich die in die richtigen Kästchen oder bin ich da schon fehlgeleitet und muss mich hinterfragen?“, „Ordne ich die neu dazugekommenen Fakten richtig ein oder muss ich über das System nachdenken?“ 

Es wird immer wichtiger, sich als Rezipient zunächst selbst zu hinterfragen, bevor man Medien und Journalismus diskreditiert. Das konnte man in dieser Veranstaltung sehr gut lernen.

Genau diese Fragen auch an sich selbst zu stellen, nicht nur an Medien bzw. Journalisten und dort den Fehler zu suchen, sondern eben auch bei sich selbst nachzuprüfen, „verstehe ich denn das Ganze überhaupt richtig?“ Das kann man hier in dieser Veranstaltung sehr, sehr gut lernen.

Vielen Dank, Herr Sälinger!

Weiter zu:
Frames in der Berichterstattung
Richtlinie 12.1 des Pressekodex
Interviews mit den Impulsgebern
Leitfaden zum Umgang mit Kriminalitätsberichterstattung
Sie wollen noch mehr über das Thema erfahren? Lesen Sie unsere 
kommentierten Literaturempfehlungen.
Die Studierenden aus Arbeitsgruppe 2 von der 
Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
AG2Lukas von Eyb, Stefan Ried, Elisabeth Korn, Adrian Kilb (v.l.n.r.)