Ideen für die Praxis

Redaktioneller Umgang mit Kommentaren

Kommunikation ohne Umwege: Statt einen Brief zu schreiben, muss der Rezipient „nur“ ein paar Zeilen tippen und auf Senden drücken, um die Mail oder den Kommentar abzuschicken oder zu veröffentlichen. Eine (Anschluss-)Kommunikation ohne Umwege, ohne den Gang zur Post. Ist das der Weg zu einem Dialog auf Augenhöhe und der uneingeschränkten Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs im Sinne einer demokratischen Gesellschaft? Oder verlieren die Menschen durch das Internet ihre Hemmungen und nutzen Foren und Kommentar­spalten dazu, Hass und Hetze zu verbreiten?

Die zentrale Frage – aus journalistischer Sicht – ist, wie sollen Redaktionen mit der Vielzahl an Kommentaren umgehen? Wünschenswert wäre, wenn ein Dialog auf Augenhöhe entstünde. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich jedoch Nutzer an einen Umgangston (Netiquette) halten und die Redaktionen brauchen klare Richtlinien, wann sie wie und wem antworten sollen – oder besser: wollen. Mit Hilfe von zwei verschiedenen Ansätze (Interview mit der Zuschauerredaktion der ARD und einer Nutzerbefragung mittels Fragebogen) versucht die Arbeitsgruppe 1 Möglichkeiten aufzuzeigen wie und warum ein Dialog entstehen kann und soll.


Leitfaden zum Umgang mit Kriminalitätsberichterstattung

Ergänzend zu den Ergebnissen aus der Arbeitsgruppe während der Tagung in Darmstadt hat die Studierendengruppe eine Gruppendiskussion mit Studierenden aus den Fachbereichen Soziologie und Politikwissenschaften durchgeführt. Ziel war es zum einen die gewonnenen Erkenntnisse auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen und anhand eines Beispieltextes auf Narrative in der Berichterstattung aufmerksam zu machen. Zum anderen sollten im Zuge der Gruppendiskussion mögliche neue Perspektiven zum Umgang mit Kriminalitäsberichterstattung insbesondere von jüngeren Personen aufgezeigt werden.

Daraus wurde letztlich ein Kategorienschema entwickelt, welches die Erkenntnisse aus der Arbeitsgruppe und aus der Gruppendiskussion vergleicht. Dabei wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet. Auf Grundlage dessen hat die Projektgruppe einen zehn Punkte umfassenden Leitfaden zum Umgang mit Kriminalitätsberichterstattung entwickelt, welcher zum Download verfügbar ist und als kleine „Gedankenstütze“ für Journalisten dienen soll.


Entscheidungsbaum zur Verwendung der ersten Person Singular

Um die Forschung über den Einsatz der ersten Person Singular in journalistischen Texten noch weiter zu vertiefen, führte Arbeitsgruppe 3 eine Gruppendiskussion am Willibald Gymnasium in Eichstätt durch. Den sieben Schülerinnen und Schülern der Oberstufe wurden zwei thematisch gleiche Texte vorgelegt, die jeweils in der ersten und der dritten Person geschrieben waren. Anhand der sehr angeregt geführten Diskussion konnten zahlreiche neue Erkenntnisse zu Vor- und Nachteilen sowie dem Anwendungsbereich der ersten Person Singular gewonnen werden.

Die Ergebnisse der Tagung und der Gruppendiskussion wurden für die Entwicklung eines Entscheidungsbaums verwendet. Dieser soll Journalisten die Frage nach der Verwendung der Ich-Perspektive erleichtern und steht zum Download bereit.


Perspektivenvielfalt durch die „Themen-Redaktion“ 

Perspektivenvielfalt bedeutet auch Themenvielfalt – das wurde nach der Tagung und den intensiven Diskussionen deutlich. Deswegen wurde mit den Gruppenmitgliedern der AG4 eine Art „Leitfaden“ für Journalistinnen und Journalisten entwickelt, der praktische Möglichkeiten vorstellt, wie sich Themenvielfalt im redaktionellen Alltag individuell umsetzen lässt.

Das Studierendenteam hat nach der Tagung eine qualitative Inhaltsanalyse einer deutschen Zeitung durchgeführt und ist anhand der Ergebnisse der Frage nachgegangen, ob Perspektivenvielfalt auch Themenvielfalt bedeutet und wie sie in der Praxis umgesetzt werden kann. Hierzu hat das Team vier Journalistinnen qualitativ befragt und mit ihnen praxisnahe Lösungsansätze erarbeitet. Durch die Gespräche und Diskussionen entstand die „Themen-Redaktion“, die „Themen-Dates“ oder „Kreisel-Runden“ enthält, um so einen Austausch innerhalb der Redaktion zu ermöglichen und gleichzeitig der Themenfindung dient. Außerdem wird der Vorschlag gemacht, Ressorts aufzulösen und in neuen, lebensnahen Themen zu denken.


„Ampelsystem“ zur Einordnung der Faktenlage bei redaktionellen Inhalten 

Auf Grundlage der Diskussionen in Arbeitsgruppe 5 sowie einer Gruppendiskussion mit Eichstätter Studenten wurde ein innovatives Ampelsystem für journalistische Inhalte entwickelt, um bei bedeutsamen Ereignissen gesicherte sowie auch ungesicherte Informationen also solche kenntlich zu machen. Das Ampelsystem mit den Farben Orange, Gelb und Grün ist als Kennzeichnung allgemein verständlich und ordnet die Meldungen für die Rezipienten ein.

Um Meldungen redaktionsintern einheitlich zu kategorisieren, wurde zudem ein Faktencheck für die Redaktionsmitglieder erstellt. Je nach Quellenvielfalt, Anzahl der Bilder und zusätzlichen Informationen werden Meldungen von Orange (ungesicherte Informationen) über Gelb (erste gesicherte Informationen) bis Grün (gesicherte und vielfältige Informationen) eingeordnet.