AG2: Leitfaden zum Umgang mit Kriminalitätsberichterstattung

Bild NarrativAnknüpfend an die Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe während der Tagung haben die Verfasser dieser Seite eine Gruppendiskussion mit Studierenden aus den Fächern Politik und Soziologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt durchgeführt. Ziel der Gruppendiskussion war es zum einen die Erkenntnisse auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen und zum anderen auf Basis dessen weitere Ideen zu diskutieren.

In der nachfolgenden Tabelle finden Sie als Übersicht den Vergleich der Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe mit den Erkenntnissen aus der Gruppendiskussion:


Forschungsprojekt

Auf Grundlage dieses Vergleichs hat die Studierendengruppe darüber hinaus einen Leitfaden entwickelt, der als Orientierung für die Kriminalitätsberichterstattung dienen kann. Der Leitfaden umfasst insgesamt 10 Punkte:

Bei der Kriminalitätsberichterstattung über Straftäter sollte Folgendes beachtet werden. Die Berichterstatter/innen sollten:

1. Tatsachen wahr wiedergeben und Meinungsäußerungen als solche kennzeichnen, jedoch überall einordnen und gewissenhaft berichten.
→ Denn: Ein Journalist soll nicht seine eigene Wahrheit abbilden, sondern die Wirklichkeit.

2. Sich der Wirkung von Frames und der Konsequenzen ihrer Berichterstattung bewusst werden.
→ Denn: Narrative in den Köpfen sind immer stärker als Fakten auf dem Papier.

3. Sich nicht aus der Verantwortung ziehen, indem sie sich ausschließlich auf die Fakten verlassen.
→ Denn: Entscheidend ist nicht, was gesagt wird, sondern das, was ankommt.

4. Verschiedene Perspektiven einnehmen und sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen.
→ Denn: Nur, wer sich selbst vor Vorurteilen schützt und sich seiner eigenen Narrative bewusst wird, kann eine Wirklichkeit abbilden.

5. Informationen, die einen hohen Nachrichtenwert besitzen, nicht wegen persönlicher Befindlichkeiten zurückhalten.
→ Denn: Journalisten sind keine Sozialarbeiter oder Psychologen, sondern haben die Aufgabe, Wirklichkeiten abzubilden.

6. Regionale Unterschiede und den jeweiligen Kontext berücksichtigen.
→ Denn: Die Rezipienten nehmen Fakten je nach Region unterschiedlich wahr. In Sachsen wird anders Zeitung gelesen als in Baden-Württemberg, Beispiele schildern Sandra Müller und Heinrich Löbbers hier.

7. Regionalen Straftaten nicht wegen der Herkunft des Täters eine überregionale Bedeutung zukommen lassen.
→ Sondern wie üblich die Meldung vor der Veröffentlichung nach den Nachrichtenfaktoren bewerten. Andernfalls besteht die Gefahr, das Vorurteil zu schüren, dass die Herkunft eines Täters unmittelbar mit einer kriminellen Tat zusammenhängt.

8. Straftaten ausländischer Straftäter keinen Vorrang gegenüber den Straftaten deutscher Straftäter geben.
→ Denn: Es besteht die Gefahr, andernfalls ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit darzustellen und Vorurteile gegen Minderheiten zu schüren.

9. Polizeimeldungen, insbesondere über Vorfälle in Flüchtlingsunterkünften, abwägen.
→ Denn: Es gilt zu prüfen – entsprechen sie Nachrichtenfaktoren oder dienen sie vor allem einer Effekthascherei?

10. Bei der Auswahl einer Meldung der eigenen Linie treu bleiben und nicht auf  Druck von außen (zum Beispiel durch Rezipienten oder andere Medien) reagieren.
→ Denn: So entsteht Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Medien.


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Frames in der Berichterstattung
Richtlinie 12.1 des Pressekodex
Interviews mit den Impulsgebern 
Teilnehmerstimmen aus dieser Arbeitsgruppe
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Die Studierenden aus Arbeitsgruppe 2 von der 
Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
AG2Lukas von Eyb, Stefan Ried, Elisabeth Korn, Adrian Kilb (v.l.n.r.)