Arbeitsgruppe 3: Ich – Die erste Person Singular als journalistisches Mittel

Impulsgeber von Arbeitsgruppe 3
Prof. Dr. Margreth Lünenborg, Freie Universität Berlin
Mirko Drotschmann, Moderator des Mitteldeutschen Rundfunks und YouTube-Video-Blogger “MrWissen2Go”
Moderation: Bastian Sorge, Referent in der Chefredaktion des Rundfunks Berlin Brandenburg

Tag 1

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Ein gutes Beispiel für Subjektivität im Journalismus bietet die Video-Plattform YouTube. Für Mirko Drotschmann, dem im Volontariat Objektivität gelehrt wurde, war das “Ich” nie ein Thema. Für ihn sorgt das “Ich” für mehr Aufmerksamkeit, für mehr “Personality”. Für einen Radiomoderator mag das vertretbar sein, bei Nachrichtenreportagen verkompliziert sich die Angelegenheit.

Man kann ja auch sich selbst einbeziehen ohne dass man eine Position bezieht. (Mirko Drotschmann)

Während das “Ich” im Generellen aus dem Journalismus verbannt wird, so ist es vom Leser in der Reportage oder Glosse erwünscht, da hier eine Person gezielt über ein Thema berichtet bzw. der Autor bewusst eine Haltung zur Thematik einnimmt. Lünenborg sprach hier von einer gewünschten Subjektivität, da die aktuelle Objektiviät in Nachrichtenformaten bereits einer “Naturalisierung” der Form unterliegen. Hinsichtlich der Subjektivität geht sie von einer puren “Redlichkeit” des “Ichs” aus, denn Medien bilden nie die Wirklichkeit ab, genauso wenig wie ein einzelner Redakteur jemals die Wirklichkeit abbilden kann.  Des Weiteren geht sie von einer einfacheren Verständlichkeit durch das “Ich” aus und zeigt auf, in welchen Fällen mehr Subjektivität benötigt werde, um dem Publikum die Inhalte zu versimpeln. Durch den subjektiven Schreibstil, das emotionale Abholen der Leser und eventuell auch einen anderen/dialogischen Aufbau der Texte, können Artikel leichter rezipiert werden. Allerdings warnte sie auch vor exzessivem “Ich”-Journalismus und unreflektiertem Selbstnarzissmus in der Berichterstattung.

Als YouTuber kann Mirko Drotschmann, alias MrWissen2Go, sein eigener Chef sein. Er wählt Themen, die ihn interessieren und für die er steht, getreu dem YouTube-Motto: “Broadcast Yourself”. Im Kontrast zum Fernsehen fällt ihm auf YouTube vor allem die differente Beziehung zu den Zuschauern auf. Diese reagieren auf seine YouTube Videos in Form von Kommentaren. Wichtig dabei ist, den Bezug zu diesen herzustellen und die Videos diskursiv zu gestalten, denn die Rezipienten wollen seiner Erfahrung nach, nach ihrer Meinung gefragt werden. Wird dies nicht so gehandhabt, so strahlt man seiner Meinung nach eine Arroganz gegenüber den Zuschauern aus. Trotz der diskursiven Gestaltung bleibt er in seinen Videos weitgehend objektiv, zeigt aber dennoch seine Position zum angesprochenen Thema auf. Wichtig für ihn ist hierbei, dass er abschließend nach der Meinung der Zuschauer fragt, da es immer andere Haltungen gibt und diese auch akzeptiert werden.

Ich versuche in solchen Videos darauf zu achten, möglichst oft zu sagen: ‚Ich denke,  ‚Das ist meine Meinung, ‚Ich finde, dass…, also immer solche Formulierungen zu nutzen, die zeigen: ‚Okay, das ist jetzt meine Position dazu. (Mirko Drotschmann)

M_Drotsch

Abschließend wurde diskutiert, was man im Allgemeinen von YouTube für die Berichterstattung lernen kann. Zum einen sollte das Publikum immer ernst genommen werden. Dieses will wiederum vom Autor abgeholt werden, was ein umfassendes Know-How über den Wissensstand und die angesprochene Zielgruppe voraussetzt. Das aus dem literarischen bekannte “dialogische Schreiben” kann daher auch für die Ich-Berichterstattung vorteilhaft sein, da hiermit genau diese Zuschauerbindung wie bei YouTube erreicht werden kann. Voraussetzung hierfür ist, dass das gezeigte “Ich” dem wahren “Ich” entspricht, transparent arbeitet und sich selbst nicht zu wichtig nimmt.